Arbeitsfähigkeit trotz Ängsten


         Arbeitsängste unterscheiden sich von klassischen Angsterkrankungen dadurch, dass sie
      sich speziell auf Gegebenheiten, Situationen oder Personen am Arbeitsplatz beziehen.
      Dabei kann es sich zum Beispiel um arbeitsbezogene soziale Ängste handeln, um Sorgen
      rund um die Arbeit oder aber auch phobische Ängste.Menschen, die unter solchen Problemen
      leiden, sind häufig von einer längerfristigen Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung betroffen.
      Eine Psychologin der Universität Potsdam beleuchtete in einer aktuellen Studie Ausmaß und
      Muster der Beeinträchtigungen bei Betroffenen – und öffnete damit den Blick für neue
      Lösungsmöglichkeiten.


     Studie mit Reha-Patienten

      In einer Rehabilitationsklinik untersuchte sie insgesamt 1.610 Patienten im arbeitsfähigen Alter
     (18 bis 65 Jahre), identifizierte 244 Personen mit Arbeitsangst und erfragte deren spezifische Ängste.
     Die Betroffenen wurden zudem hinsichtlich der Beeinträchtigungen ihrer Arbeitsfähigkeit beurteilt.
     Die Psychologin nutzte dafür ein Fremdbeurteilungsrating für psychisch bedingte Beeinträchtigungen,
     mit dem relevante Fähigkeitsdimensionen beurteilt werden können, wie etwa die Entscheidungs- und
     Urteilsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungs- oder Gruppenfähigkeit.


     Spezifische Ängste – spezifische Beeinträchtigungen

     Bei der Analyse der Daten fiel ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Art der Arbeitsangst
     und dem Ausmaß und Muster der Fähigkeitsbeeinträchtigungen auf: Arbeitsbezogene soziale Ängste
     etwa beeinträchtigten vor allem soziale Kontakte am Arbeitsplatz, hatten aber keinen Einfluss auf die
     Anwendung von Wissen und Kompetenzen im Allgemeinen. Eine sogenannte Insuffizienzangst hingegen,
     also die Angst, die Arbeit nicht oder nur unzureichend zu schaffen, ging vor allem mit einer schwächeren
     Durchhaltefähigkeit einher. Menschen mit ausgeprägten arbeitsbezogenen Sorgen wiederum hatten in
     erster Linie Probleme mit der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit.


    Mehr „Toleranzarbeitsplätze“

    Die Wissenschaftlerin sieht in ihren Ergebnissen einen neuen Ansatzpunkt für Interventionen bei
    Arbeitsängsten und optimierte Wiedereingliederungsmaßnahmen. Zum einen seien gezielte Maßnahmen
    möglich, wie etwa ein soziales Kompetenztraining bei sozialen Ängsten. Zum anderen aber seien
    Arbeitsplatzanpassungen hilfreich, wie etwa eine Versetzung aus einer reinen Verkaufstätigkeit in
    eine Tätigkeit mit mehr Büroarbeit. Die moderne Arbeitswelt stellt zunehmend Anforderungen an
    die kognitive und interpersonelle Leistungsfähigkeit, die Menschen mit psychischen Erkrankungen
    nur teilweise erfüllen können. Nicht jeder Mensch müsse alles können, betont die Autorin. Was
    wir brauchen, seien „Toleranzarbeitsplätze“ und die stärkere Beachtung der Person-Umwelt-Passung.
    Dann könnten auch zukünftig Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeitsprofilen arbeitsfähig bleiben.





Quelle:http://www.report-psychologie.de/news/artikel/arbeitsfaehig-trotz-aengsten-2016-05-03/

Literatur

Muschalla, B. (2015). Different work capacity impairments in patients with different work-anxieties. International Archives of Occupational and Environmental Health, 89 (4), 609–619.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie


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